Vom 5. Mai bis 4. Juni 2019 war Ramadan – die Fastenzeit für Musliminnen und Muslime.

Viele Muslime haben tagsüber gefastet. Das Fasten wurde jeweils nach Sonnenuntergang gebrochen. Der Ramadan ist nicht nur Fastenzeit, sondern auch die Zeit der Einladung!

Um den interkulturellen und interreligiösen Dialog zu fördern, organisiert die Stiftung Lernforum mit Ihren freiwilligen Helferinnen und Helfern zusammen jedes Jahr diverse Anlässe, wie gemeinsame Fastenbrechen mit Nichtmuslimen. Bereits zum vierten Mal wurde das mittlerweile traditionelle Fastenbrechen auf dem Schloss Wartenfels durchgeführt. In einer wunderschönen Atmosphäre, welche einen Teil Schweizer Geschichte repräsentiert, konnten sich Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen näher kommen und Gemeinsamkeiten erörtern.

Unter den Anwesenden Gästen waren unter anderem Frau Michèle Spring, als Vertreterin der Fachstelle Integration des Kantons Solothurn, der Präsident der Stiftung Schloss Wartenfels, Herr Peter André Bloch, Herr Ramazan Özgü vom Dialog Institut, sowie Nachbarn, Arbeitskollegen und Freunde der freiwilligen Helfer der Stiftung Lernforum.

Ein anatolisches Abendessen ist ein Erlebnis für Augen und Gaumen. Die wichtigste Zutat:
Viel Zeit. Nach dem kulinarischen Erlebnis wurden die Gäste zum Dessert mit anatolischer Livemusik verwöhnt. Die Klänge der Nay haben mal zum denken angeregt, mal aufgeheitert. Danach konnten sich die Anwesenden wieder Ihren individuellen Gesprächen widmen und den Abend ausklingen lassen.

Stiftung Lernforum hat zum Tag der Menschenrechte Freunde aus der Umgebung sowie drei Flüchtlinge aus der Türkei eingeladen.

Zuerst hörten sich die Gäste darunter die Stadträtin Iris Schelbert, Beat Niederberger, Präsident Caritas AG mit seiner Frau Catherine Ducret, Wieslaw Reglinski, kath. Pfarrer sowie die Vertreterinnen von Meeting Point die Geschichte der drei Ausgewanderten an, in der es um die Verletzungen der Menschenrechte ihrerseits seit Juli 2016 ging. Sie teilten mit den Gästen auch ihre Erlebnisse und Erfahrungen während der Flucht in die Schweiz, welche zutiefst berührten und zu denken gaben.

Im Anschluss gab es einen geselligen Apéro mit Guetzli und türkischem Tee.

Nachstehend wurden die übersetzten Vorträge der Flüchtlinge hinzugefügt.

Übersetzungen:

Ich bin R.T., Geschichtslehrer. Bis 2013 hatte ich aufgrund meines Berufes einen guten Ruf und wurde in der türkischen Gemeinschaft respektiert sowie geschätzt. Meine Frau ging es genau gleich. Auch sie war sehr erfolgreich in ihrem Berufsleben Mathematik Lehrerin.

Ab November 2013 hat sich diese Situation geändert. Wir wurden diskreditiert, wurden schlecht in schlechten Ruf gebracht und somit von der Gesellschaft ausgeschlossen. Unser Bewegungsraum wurde von Tag zu Tag beschränkt. Einige unserer Freunde sowie auch Verwandte haben uns nicht mehr begrüsst und haben sogar den Kontakt zu uns abgebrochen.
Am 15. Juli 2016 gab es in der Türkei einen Putschversuch, dessen Putschisten schon damals bekannt waren. Diese eigentliche Putschisten haben damals Menschen für den Putsch verantwortlich gehalten, die keinesfalls mit diesem Putschversuch zu tun hatten. Am 15. Juli wurden sogar Menschen beschuldigt, unabhängig davon ob diese im Spital in Behandlung, im Urlaub oder zu Hause waren. 100’000e von Menschen wurden als Putschist erklärt. Und somit
begann die Zeit wo diese beschuldigte jedoch unschuldige Menschen von Ihren Anstellungen entlassen wurden, verhaftet wurden, der Folter im Gefängnis unterworfen wurden und leider darunter auch solche, die ihren Verletzungen oder Krankheiten aufgrund des nicht-behandelns erlagen. Das sogenannte Genozid begann also.

Meine Frau und Ich wurden eine Woche nach dem Putschversuch von unseren Berufen ausrangiert. Am 1. September 2016 wurden wir dann beide entlassen. Ab diesem Zeitpunkt haben wir nirgends mehr eine Stelle gefunden. Niemand wollte uns anstellen. Alle hatten Angst als Putschist erklärt zu werden und vermieden jede Art von Unterstützung an Menschen der Gülen Bewegung. Wehe sie würden einen Gülenist anstellen, setzte man sie unter psychischem Druck, sodass sie nach einer
Weile diese Menschen wieder freistellen mussten. Auch den anderen entlassenen ging es nicht anders. Haben Sie eine Stelle gefunden, dauerte es nicht lange bis sie wieder entlassen wurden. Die Verhaftungen liefen ab dem 15. Juli 2016 auf Hochtouren. Die echten Kriminellen wurden freigelassen und anstelle diesen wurden wir Schritt für Schritt als politische Verbrecher festgenommen. In einigen Städten in Gefängnissen gab es Folterungen. Einige unserer Freunde
wurden durch den Nachrichtendienst festgenommene, wurden verschleppt und werden heute noch von ihren Angehörigen vermisst.

3 Monaten nach dem Putschversuch wurde ich festgenommen mit der Begründung an einer lokalen Pressemitteilung teilgenommen zu haben. Der einzige Grund bzw. Beweismittel für meine Festnahme war ein Foto der Pressemitteilung. Obwohl ich mit Angehörigkeit einer Terrorgruppe beschuldigt wurde, haben die Polizisten in meiner Wohnung meine Bücher durchgestöbert. Von Waffen oder ähnliches war natürlich keine Spur. Ich wurde ohne einen Beweismittel, mit einem
leeren Dossier verhaftet und beschuldigt. Ich war 17 Monaten in Haft. Meine Frau und meine 3 Töchter haben in dieser Zeit, in einer Wohnung gewohnt. Man wusste, dass wir kein Einkommen hatten, wir wurden getrennt, und meine Familie wurde gezwungen durch eine solche Situation alleine durchzukommen.
Meine Frau hat mit meiner jüngsten Tochter mich während diesen 17 Monaten besucht. Nach einer Fahrt von ca 3-4 Stunden sowie einer Wartezeit von 3 Stunden konnten wir uns durch eine Scheibe unterhalten, welche nicht einmal eine halbe Stunde dauerte. Denn mehr war nicht erlaubt. Die Vorbereitung für die Anklageschrift dauerte mehr als einem Jahr. In diesem einem Jahr fand ich niemand, welche meine Rechte verteidigen würde. Auch auf meine Gesuche bekam ich nie eine
Antwort. Nach einem Jahr wurde eine Anklageschrift erstellt, worin ich mit Angehörigkeit einer Stiftung, Mitglied einer Gewerkschaft, Kontoinhaber der Bank Asya, Anmeldung meiner Kinder in einer Privatschule der Gülenbewegung, einem Abonnement für eine Zeitschrift sowie mit dem Herunterladen einer allen öffentlich zugänglichen Applikation beschuldigt wurde. Mir wurde vorgeworfen Angehöriger einer Terrorgruppe zu sein. Die in der Anklageschrift enthaltene Behauptungen waren eigentlich meine verfassungsrechtliche Ansprüche, Das Gericht hat das Urteil beim 5. Strafprozess gefällt und ich wurde mit den vorhin erwähnten Beschuldigungen mit 6 Jahren und 3 Monaten verurteilt. Diese Zeitspanne verlief äusserst bedrückend und sorgenvoll für mich. Wir konnten weder vor dem Gericht noch im Gefängnis unsere Rechte beanspruchen. Und wie im Theater ging es im Gerichtssaal nach einem Skript zu und her. Am 13. März 2018 wurde ich freigelassen und natürlich wollte mich niemand anstellen. Arbeitslos verbrachte ich die Tage. Wir hofften, dass nun bald sich die Lage wieder verbessern würde. Doch leider verschlimmerten sich die Situationen. Von Tag zu Tag wurde meine Frau auf der Strasse sowie in dem Wohnblock wo wir damals wohnten, ausgeschlossen. Ähnlich ging es meinen Töchtern. In der Schule wollte keiner mehr mit Ihnen Kontakt knüpfen. Niemand wollte sich mit ihnen anfreunden. Würde der Richter die 6 Jahren 3 Monaten endgültig bestätigen, würde das bedeuten, dass ich wieder ins Gefängnis müsste. Die Wahlen am 24. Juni haben uns gezeigt, dass wir in unserem Heimatland keine Menschenrechte mehr ausüben werden können. Durch soziale Medien erfuhr ich, dass Menschen, welche in ähnlichen Situationen wie wir waren, über den Fluss Maritza die Türkei verlassen konnten. Mit einer spontanen Entscheidung am 27. Juni haben wir uns auf den Weg gemacht und sind nach Griechenland geflüchtet.

Ich hatte mein Haus im 2015 verkauft. 2 Tage vor der Flucht hatten wir auch unser Auto und ein paar Möbel verkaufen können, damit uns auf dem Weg genug finanzielle Mittel zur Verfügung steht. Wir mussten über stachelige Zäune klettern und mussten dann unter schlechten Umständen stunden Lang auf einem matschigen Weg laufen. In der Nacht hat die griechische Polizei uns in Untersuchungshaft genommen. Nach einem tag Untersuchungshaft, einem Tag Gefängnis und 3 Tage Aufenthalt im Lager wurden wir weiter nach Athen gebracht. Genau 2 Monate lang haben wir uns viele Gedanken darüber gemacht, wie wir aus diesem Land fliehen können. Ich habe mit Schmugglern Kontakt aufgenommen. Ich war wie in einem Aktionsfilm, welchen ich vielleicht bis dahin nur im Fernseher sah. Doch leider befand ich mich nun selber mitten in einem Film. Meine Familie und ich, wir hatten in Griechenland eine schwierige Zeit. Wir wollten nicht in Griechenland bleiben. Geflüchtet sind wir auch nicht für Griechenland, denn in diesem Land herrschte Krise. Es gab da keine Zukunft für uns. Viele Asylbewerber ging es nicht wohl und Arbeitslosigkeit hatte ihren Höhepunkt. Das Ausgehen des finanziellen Mittels, bevor wir ausreisen konnten, die Gedanken, dass ich mit meiner Familie in Griechenland wegen finanziellen Mittel in Not gerate sowie die mehreren
Fluchtversuche, welche jedesmal scheiterten, machten meine psychischen Zustand fertig. Am 3. September konnten wir dann endlich in die Schweiz einreisen und haben dann gleich einen Antrag um ein Asylgesuch gestellt. Meine Frau und meine 3 Töchter, wir versuchen nun in der Schweiz ein besseres Leben zu führen.

Mein Name ist S.Ö.. Ich komme aus der Türkei. Ich habe in der Türkei Jura Studiert und habe ungefähr 13 Jahre bei der staatlichen Behörden als Jurist gearbeitet.

Wie Sie wissen, wurde in der Türkei am 15. Juli 2016 ein Putschversuch unternommen. 5 Tage später erklärte der Staat den Not- und Ausnahmezustand. Das türkische Verfassungsgesetz wurde durch diesen Putschversuch ausser Kraft gesetzt und
somit begann im ganzen Land eine grosse Hexenjagd. Wie im Menschenrechtsbericht der Vereinten Nationen festgehalten wurde, waren insbesondere Juristen, Richter, Rechtsanwälte und Staatsanwälte das Hauptziel des Erdogan-Regimes. Nur einen Tag nach dem Putschversuch sind 2 Verfassungsgerichtsrichter, ungefähr 180 Berufungsgerichtsrichter und Staatsrichter in Gewahrsam genommen. Dessen Verfahren wurden vor einem Sondergericht durchgeführt, dass kurz vor dem
Putschversuch gegründet wurde und zum Zwecke hatte, gegen Regierungskritiker vorzugehen. Diese Respektspersonen und wertvollen Richter verbrachten ungefähr 2 Jahre ihres Lebens in einer Gefängniszelle. Sie werden momentan beschuldigt, Mitglied einer terroristischen Organisation zu sein.

Nach offiziellen Angaben haben rund 2.000 Soldaten am Putschversuch vom 15. Juli teilgenommen. Jedoch wurden über 9000 Militärangehörige mit mutmasslichen Putschvorwürfen gekündigt und 5.400 davon wurden festgenommen. Nach dem Putschversuch vom 15. Juli wurden über 35.700 Menschen aus dem öffentlichen Dienst entlassen und ihrer Rechte beraubt. Etwa 5.000 der am 15. Juli gerichteten 11.000 Staatsanwälte wurden entlassen. Die meisten von ihnen wurden festgenommen. An deren Stelle wurden neue Richter gewählt, die der Regierung und dem Regime gegenüber loyal waren. Wahlen finden unter der Aufsicht dieser neuen regimetreuen Richter statt. So sind faire Wahlen unmöglich. Deshalb ist die Behauptung, dass das Erdogan-Regime von einer Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird, eine grosse Lüge. Ich persönlich habe sowohl als Zeuge als auch ein Geschädigter diese grausamen Anwendungen erlebt. Deshalb möchte ich über meine eigenen Erfahrungen sprechen. Viele Freunde von mir, mit denen ich gleichzeitig an der Universität studiert habe, bevorzugten als Rechtsanwalt zu arbeiten. Ich habe mich entschieden, im öffentlichen Sektor zu arbeiten, obwohl zu geringerem Gehalt. Ich wollte so meinem Vaterland und der Bevölkerung dienen. Ich hatte ein bescheidenes Leben mit meiner Frau, und meinen 3 Kindern. Sie sind elf, sieben und zwei Jahre alt.

In der Nacht zum 15. Juli beobachtete ich mit Schrecken die Nachrichten, dass es eine Militäraktion gab. Später war ich schockiert zu hören, dass Präsident Recep Tayyip Erdogan, im Fernsehen, die Hizmet Bewegung für den Putschversuch, der noch in vollem Gange war verantwortlich machte. Gleichzeitig erklärte er die Hizmet Bewegung als bewaffnete Terrororganisation.

Ich hätte mir nie vorstellen können, dass in der demokratische Türkei die Gesetze in diesem Ausmass ausser Kraft gesetzt werden könnten. Nur vier Tage nach dem Putschversuch, am 15. Juli hat die Polizei meine Wohnung überfallen und hat meine Frau festgenommen. Sie war eine Juristin wie ich. Später wurde sie wieder bedingt freigelassen. Am 21. Juli, einen Tag nach diesem Vorfall, wurde ich zum ersten Mal entlassen und habe ich meine Arbeit verloren. Am 24. September 2017 hat die Polizei erneut unser Haus überfallen. Diesmal wurde ich sechs Tage lang in Polizeigewahrsam genommen. Der Richter hat mir gesagt; „Sie sind ein Jurist wie ich, also sind wir Kollegen. Es tut mir leid, ich muss Sie verhaften. Bitte versuchen Sie mich zu verstehen. Sonst kann ich mein Job verlieren”. Dieser Satz des Richters hat eigentlich gezeigt, dass in der Türkei die Richter unter Druck von der Regierung arbeiten müssen. Ich wurde ungefähr zehn Monate im Gefängnis von Sincan/Ankara festgehalten. Während des Prozesses, der aus drei Anhörungen bestand, wurde mir immer gesagt, wenn ich die Anschuldigung akzeptieren würde und wenn ich eine andere Personen denunzieren würde, könnte ich von der Strafe entlassen werden. Ich habe dieses Angebot nie angenommen und es wurde beschlossen, bei jeder Anhörung meine Inhaftierung fortzusetzen. Bei der letzten Anhörung wurde beschlossen, die technische Prüfung meines Mobiltelefons aufzugeben, das der grösste Beweis meines Falls wäre und die Behauptung hätte beweisen können, ich würde das verschlüsselte Nachrichten App Bylock verwenden. Das war tragikomisch. Als Ergebnis meiner Verhandlung wurde ich zu 6 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt. Ich war glücklich, dass der Berufungsprozess ohne Verhaftung beschlossen wurde und ich aus dem Gefängnis entlassen wurde. Ich wurde ohne jegliche Rückfrage aus dem Job entlassen, weil ich der  Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation angeklagt war. Ich wurde auf der ganzen Welt zum Terroristen erklärt. Ich wurde 10 Monate lang zu Unrecht und unter sehr schwierigen Bedingungen eingesperrt und am Ende zu 6 Jahren, 10 Monaten und 15 Tagen Gefängnis verurteilt.

Nach dem 15. Juli habe ich lange Zeit keine Arbeit gefunden. Meine Verwandten und mein soziales Umfeld haben mit uns alle Beziehungen eingefroren. Ich konnte mein Haus nicht verkaufen, weil es beschlagnahmt wurde. Das Gehalt meiner Frau wurde konfisziert und ihre Kreditkarte wurde storniert. Nach der Entlassung wurde mir klar, dass es mir unmöglich war, in meinem Land zu leben. Schließlich musste ich mein Land mit meiner Frau und meinen Kindern verlassen. Nach dem 15. Juli tragen etwa 200.000 Menschen ähnliche Schmerzen. Ich bin nur einer von ihnen und ich bin wirklich glücklich. Weil ich mit meiner Familie in einem demokratischen Land bin. Ich habe ein neues Leben begonnen und freue mich trotz aller Schwierigkeiten. Ich möchte mit voller Zuversicht in die Zukunft blicken. Bin ich glücklich oder fühle ich mich wohl? Nein. Denn es ist unmöglich. Hunderttausende Menschen, lebten und leben, wie ich unter sehr schwierigen Bedingungen. Sie können leider noch nicht ihre Freiheit gewinnen. Ich habe und fühle keine Rache. Aber die Geschichte wiederholt sich. In den schwarzen Seiten der Geschichte befinden sich viele Beispiele, in Bezug auf die Illegalität, Verfolgung, Grausamkeit und der Ende von Diktaturen. Mein einziger Wunsch ist, dass diese grausamen Menschen und ihre Helfer rechtlich und fair verurteilt werden.

Danke, dass Sie geduldig zugehört haben.

Hallo, ich bin Nursen P.A. . Ich bin aus der Türkei geflüchet und bin seit 3 Monaten in der  Schweiz. Ich bin eine Hebamme und führe meine Arbeit seit 18 Jahren mit Erfolg aus. Während meiner Karriere habe ich viele bereichen Zertifikate erhalten. Bis zum 15 Juli hatte ich ein schönes Leben gemeinsam mit meinem Mann und meinen 2 Kindern.

Wie sie sicherlich bereits wissen fand am 15 Juli ein erfolgloser Putschversuch statt. Das Volk hat diese Nachricht über die Zeitung, Online-Medien und das Fernseh erfahren. Natürlich konnte ich wie jeder andere, es nicht fassen.

Am nächsten Tag wurde ich aus meinen Ferien zurück gerufen und musste meine Arbeit wieder aufnehmen. Nach 3 Arbeitstagen an einem Freitag, standen in der regionalen Online-Zeitung meine Inizialen und ich wurde als Volks Verräter gemeinsam mit anderen Freunden von meiner Arbeit freigestellt. Ich war schokiert, denn ich habe von niemandem bis jetzt ein offizielles Dokument erhalten. Von niemandem kam eine Aussage oder Erklärung. Am Sonntag waren wir bei Bekannten zu Besuch. Auf dem Heimweg bekam mein Mann einen Anruf Ihm wurde gesagt er solle schnellst möglich zu seinem Arbeitsplatz, es sei von Zivilisten mit Waffen überfallen worden sein. Daraufhin habe ich sofort mein Mann zu seiner Arbeitstelle, gebracht. Endlich zu Hause dachte mir, doch der nächste Schock wartete auf mich. Die Haustür stand offen. Das Haus es war völlig durchwühlt. Alles war durchsucht. Alles stand Kopfüber. Ich spürte die Angst meiner Kinder die kaum ein Wort aus sich heraus bringen konnten.

Meine Nachbarin teilte mir mit, dass die Polizei eine Durchsuchung gemacht haben. Diese Durchsuchung war nicht die letzte dabei war ich mir sicher und aus Angst beschloss ich mit meinen Kindern zu meiner Mutter zu gehen. Am nächsten Tag auf der Arbeit, sprach niemand mehr mit mir. Ich versuchte herauszufinden was los war. Gegen Ende meines Dienstzeites wurde ich ins Büro vom Geschäftsführer gerufen und mir wurde mitgeteilt das ich nun fistlos gekündigt bin. Ich glaube, das war der schlimmste Tag meines Lebens. Was habe ich falsches gemacht?

Es gab keine Erklärung, ich wusste nur dass ich in der Zeitung als eineTeroristin und als eine Verräterin bezeichnet wurde. Diese sehr schwere Anschuldigung zu verkraften brauchte Zeit. Von einem Moment zum nächsten sah mich mein Umfeld als einen Feind. Das Verhalten meiner Freunde, werde ich ein Leben lang nicht vergessen. Als ich mich zum Mittagessen setzte, standen plötzlich alle auf und sagten, dass ich nie wieder mit Ihnen sprechen sollte.

Freunde die ich seit 14 Jahren kenne, vertraue, liebe und Wert schätze sprachen nicht mehr mit mir. Einige haben mich sogar gedehmütigt indem sie mich Staatsveräterin bezeichnet haben. Und sich über mich lächerlich gemacht haben. Das waren doch meine Freunde ? Was habe ich ihnen angetan dachte ich mir? Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass war erst der Anfang der mir zuvorstehenden grauenvollen Tage.

Seit dem ich meinen Mann zu seiner Arbeit gebracht habe, habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ich konnte nicht zu seiner Arbeit gehen und nach ihn ich würde mich dadurch nur selber in Gefahr bringen. Ich konnte Ihn weder telefonisch erreichen noch habe ich von irgendwoher eine Nachricht bekommen. Ich hatte Angst um sein Leben. Angst um meinen Ehemann. Angst um den Vater meiner Kinder.

Das Ferseh, Online-Medien und die Zeitung ruften das Volk auf die Gülenisten auszulöschen. Wortwörtlich wurde daraus eine Kampagne. Eine Kampagne die Unschuldige den Tod bringen sollte. Ich musste zusehen wie meine Freunde in Gewahrsam genommen und verhaftet wurden. Ich musste mir anhören wie meine Freunde und meine Mitmenschen gefoltert wurden.

Ich wusste nicht ob es eine forensische Untersuchung über mich gab und hatte deshalb grosse Angst. Ich machte mir Sorgen um meine Kinder. Ich habe nichts gemacht was gegen das Gesetzes wäre, und deshalb entschied ich mich, mich nicht der Polizei zu stellen. Was passiert mit meinen Kindern, wenn ich verhaftet werde? Dieser Gedanke liess mich nich los und raubte mir unzählige Nächte. Wem sollte ich meine Kinder anvertrauen?

Nach diesem Putsch musste ich meine 14-jährige Tochter an fremde Hände übergeben. Diese Entscheidung habe ich nur für ihre eigene Sicherheit getroffen. Von nun an besuchte sie ein kostenloses Staatliches Internat. Als ich mit meinem 6-jährigen Sohn bei Verwandten zu wohnen begann, erfuhr ich, von einem Haftbefehl den es gegen mich gab.

Ab diesem Moment, begann das elende Verstecken. Am 6 Januar 2017 erfuhr ich das mein Name sich auf der dekreten Liste befand, dass heisst meine Berufung wurde mir entzogen. Das Leben war jetzt viel schwieriger. Ab diesem Moment an wurde ich als Feind dieses Landes angesehen vobei ich doch erst vor einigen Monaten noch eine sehr erfolgreiche Hebamme war. Von nun an wurde auch meine Sozialversicherung aufgelöst und ich konnte keine Arbeitsstelle mehr finden.

Wir sind alleine. Alle meine Freunde, Verwandten und Bekannten haben ihre Beziehung zu mir beendet. Niemand sprach mehr mit mir, selbst meine Anwesenheit bereitete ihnen Angst. Inzwischen fühle mich mehr tod als lebendig. Inzwischen lebe ich seit 2 Jahren versteckt. Meine eigene Tochter musste ich während dieser Zeit heimlich treffen.

Weil ich von meiner Berufung ausgeschlossen wurde hatte ich weder einen Job noch ein Bankkonto. Weil ich gesucht wurde konnte ich nicht eine Arbeit mit Versicherungsschutz aufnehmen. Ich musste also schwarz arbeiten. Ich habe in einem Restaurant unter falschen Personalien gearbeitet.

Jeden Tag als ich meinen Sohn zur Schule brachte, musste ich mich fürchten. Mein Sohn verstand, das nichts in Ordung ist und fragte mich ständig. Warum sind wir nicht zu Hause? Warum leben wir so? Wo ist mein Vater? Wo ist meine Schwester? Du hilfst doch Menschen? Wieso haben Sie dir deine Arbeit weggenommen wieso bist du arbeitslos? Als eine Mutter konnte ich meinem eigenem Sohn keine Antworten geben. Wie sollte ich ihm das erklären? Wie sollte ich einem Kind dieses Ungerechte das uns angetan wird erklären. Ich wusste das seine kleine Welt nicht mehr aus bunten Farben bestand. Zu Hause brachte ich mit meinem Sohn die Sätze bei, die er allenfalls bei einer Polizei Befragung aufzitieren musste. Unser Leben lag auch nun in seinen kleinen unschuldigen Händen.

Ich habe in einer Kindergrippe angefangen zu arbeiten als Gedächnistrainerin für Kinder. Inzwischen benutzte ich auch kein Handy mehr weil ich habe Angst dass Sie mich verfolgen. Ich habe an diesem Tag von einer Arbeitskolleginn das Handy ausgeliehen und meine Mutter angerufen. Ihre Nachrichten haben mich erschüttert. Das Haus meiner Eltern ist von der Polizei durchsucht worden und mein Vater wurde in gewahrsam genommen. Ich verliess sofort mein Arbeitsplatz und holte mein Sohn von der Schule ab.

Nachdem wir die Schule verlassen haben, traf die Polizei ein und wollte meinen Sohn befragen. Als die Polizei erfahren hat das ich meinen Sohn soeben abgeholt habe stürmten sie meinen neuen Arbeitsplatz und haben meinen Geschäftsführer ins Untersuchungshaft genommen.

Ich muss erwähnen das mein Anruf bei meiner Mutter nicht selbstverständlich war, während dieser schwirieger Zeit habe und wollte ich sie nicht anrufen. An diesem Tag war das eine Ausnahme, eine Ausnahme die mir und das Leben meines Sohnes gerettet hat.

Wenn die Polizei meinen Sohn in der Schule vorgefunden hätte, hätten sie, bei ihm nach Ihrer Verhörung ein psychologisches Trauma hinterlassen, das er niemals vergessen würde. Ab jetzt konnte ich meinen Sohn auch nicht mehr zur Schule bringen. Meine Tochter konnte mit dem psychischen Druck nicht mehr umgehen und erlitt einen Nervenzusammenbruch, Sie wurde mit einem Ambulans ins Krankenhaus gefahren. Selbst in diesen Momenten konnte ich nicht bei meiner Tochter sein. Ich konnte weder Ihre Hand halten noch irgendwie Sie als Mutter unterstützen und bei Ihr sein.

Die Türkei wurde für uns ein Land in dem wir nicht länger bleiben konnten meine Kinder konnten nicht mehr zu Schule und ich war im ewigen Versteck-Spiel gefangen. Ich meinen letzten 6 Monaten ging ich nur noch für den Lebensmitteleinkauf aus dem Haus. Als die Polizei erneut bei meiner Tante war und Sie das Haus wild duchsucht hatten, gab Sie aus Angst nach und teilte den Polizisten die Adresse meines Unterkunftes. Von nun an brauchte ich einen neuen Unterschlupf. Auf einmal fand ich mich auf der Strasse. Ich hatte keine Verwandten mehr zu denen ich gehen oder mich wenden konnte. Eine Frau die mit mir das selbe Schiksal teilte war meine Rettung. Ich konnte mich bei ihr zu Hause einnisten. Eine Nacht bekam mein Sohn hohen Fieber ich wusste er brauchte ein Arztbesuch aber aufgrund der Datenbearbeitung bei einer Anmeldung im Krankenhaus konnte ich ihn nicht bringen.

Ich habe noch nie eine Tat begangen die gegen das Gesetz war. Ich habe einen sauberen Leumund. Aber irgendwie habe ich mich anscheinend doch schuldig gemacht. Ich habe mich strafbar gemacht weil ich für hilfsbedürftigte Studenten Stipendien bezahlt habe. Ich habe mich strafbar gemacht weil ich meine Kinder zur einer Gülen Schule geschickt habe. Ich habe mich strafbar gemacht weil ich für Bedürftigen Menschen Nahrungsmittel gespendet habe. Die Tatsache, dass ich ein Konto bei der Bankasya hatte, reichte aus, um mich zu einen Terroristen zu erklären.

Wie jeder Gülenist veruschte ich ein vorbildliches Leben zu führen und mich aktiv für meine Mitmenschen einzusetzen.

Vor dem 15 Juli wurden wir unterstützt und geschätzt, jetzt war nichts mehr davon zu riechen. Alle empfanden Hass für uns. Wir konnten in der Türkei nicht mehr sicher leben und mussten alle unsere Geliebten hinter uns lassen. Ich wünschte ich hätte mein Land nicht verlassen müssen. Damals als es uns noch gut ging musste ich mir keine Sorgen um meine Kinder machen ich konnte ihnen sehr vieles anbieten. Es ist nicht leicht in einem fremden Land von neu Anzufangen. Sich alles neu aufzubauen braucht Zeit und Kraft. Meine Gedulg war mein begleiter durch diese schwere Zeit.

Es war Juli 2018 als wir mit einem kleinem Boot, 11 Leute darunter ein 2 Monate altes Baby 45 Minuten lang unseren Atem anhielten bis wir in Griechenland angekamen. Das Boot hatte sich mit Wasser aufgefüllt wir waren pitsch nass und verdreckt. Wir waren von nun an Frei. Sobald wir Meric überquert hatten fragte mich mein Sohn. Mami wir sind aus der Hölle. Was hat ein 7 jähriges Kind erlebt das es solche Worte in den Mund nimmt. Wie werden sich unsere Wunden heilen? Seit 2 Jahren konnten wir aus Angst nicht schlafen weil wir uns vor der Polizei fürchteten. In Griechenland als uns die Polizei mitgenommen hat empfanden wir nur Freude. Bis heute hatten wir Angst vor der Polizei und jetzt freuten wir uns die Polizei zu sehen.

Unsere Reise endete in der Schweiz. Zum ersten Mal konnte ich mit meiner Familie gemeinsam in Sicherheit schlafen.

Der Anatolien Kulturverein aus Olten hat zum zum 2. interkulturellen Fastenbrechen auf dem Schloss Wartenfels in Lostorf geladen. Unter den knapp 50 Gästen befanden sich unter anderem der warmherzige Pastoralraumpfarrer Wieslaw Reglinski und der konziliante Solothurner Schriftsteller Franco Supino, sowie viele weitere wertvolle Gäste.

Mit dem Gebetsruf (Azan) des Imames begann am 9. Juni 2017 um 21.30 Uhr auf dem Schloss Wartenfels in Lostorf das Iftar (Fastenbrechen). In einer angenehmen Atmosphäre mit kulinarischen Köstlichkeiten wurde auch anatolische Livemusik vom Schweizer Oud-Lehrer Christian Moser gespielt.

Zu dieser Veranstaltung haben die Vereinsmitglieder, Ihre Nachbarn, Freunde und Bekannte aus verschiedenen Kulturen und Religionen eingeladen.

Im Monat Ramadan(dieses Jahr vom 27. Mai bis 24. Juni 2017), welcher sich jedes Jahr um etwa 10 Tage nach vorne verschiebt, fasten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. An jedem Abend, nach Sonnenuntergang, gibt es ein Fastenbrechen. Der Ramadan ist nicht nur Fastenzeit, sondern auch die Zeit der Einladung! Es gehört zur Tradition auch Menschen aus anderen Weltanschauungen und Religionsgemeinschaften einzuladen. Diese Kultur ist deshalb sichtbarer Ausdruck des Respekts vor der Religion oder Weltanschauung des Anderen.

Die geladenen Gäste begegneten sich auf dem geschichtsträchtigen Schloss, um sich kennen zu lernen, sich auszutauschen, das symbolhaltige Ambiente zu geniessen und gemeinsam die offene Kultur des Fastenbrechens zu erleben.

Franco Supino wurde gebeten den Gästen über seine Erfahrungen mit Muslimen zu berichten. Er begann mit den Worten: „Ich gestehe, ich kenne eigentlich keine Muslime“, um gleich darauf klarzumachen, dass er eigentlich etliche Menschen mit muslimischem Glauben kennt, aber das im Zusammenleben gar keine Rolle spielt. „Wenn wir uns begegnen, zählt das Gemeinsame.“ Er sagte, dass es unmöglich sei alles vom Gegenüber zu verstehen, es gehe darum auf den Andere zuzugehen und das gemeinsame zu suchen.

 

Nach einer orientalisch-musikalischen Oud Einlage von Christian Moser erklärte Vereinssprecher Gökhan Karabas den Gästen, dass Ramadan der elfte Monat nach Islamischem Kalender(Mondkalender) ist und in diesem die wörtliche Offenbarung des Korans an den Propheten Mohammed begonnen habe. Es sei der Monat, für welchen Gott den Muslimen das Fasten vorgeschrieben habe. Davon ausgeschlossen seien jedoch Kinder bis etwa 14, Kranke, schwangere und stillende Frauen, sowie Reisende. Es sei auch nicht zugelassen, dass man Fasten würde, wenn es der Gesundheit schadet. Denn ein wichtiges Gebot im Islam sei, dass man sich und anderen keinen Schaden zufügen dürfe.

Mit der Ansprache „Liebe Schwestern und Brüder – würden wir Christen sagen, da wir ja doch alle irgendwie von Adam und Eva stammen“ übernahm Pastoralraumpfarrer Reglinski das Wort. Daraufhin erklärte er, dass das Fasten, neben Beten und Almosen geben, zu den drei Säulen des christlichen Fundaments gehöre. Die österliche Busszeit, welche 40 Tage vor Ostern beginnt, werde auch «Fasten-Zeit» genannt. Er erklärte die Beweggründe und die verschiedenen Auslegeweisen der christlichen Konfessionen.

Nach den Reden widmeten sich die Gäste wieder dem interkulturellen Austausch, welcher an den einzelnen Tischen stattfand und sichtlich alle Gäste Ihre Freude daran hatten. Es war ein stimmungsvoller Abend in einer einzigartigen Atmosphäre.

Der Anatolien Kulturverein setzt sich ein für den interkulturellen Austausch und organisiert mehrmals im Jahr Anlässe, an welchen interessierte sich mit anderen Menschen austauschen können.

Neue Oltner Zeitung, 23.11.2016

Kürzlich lud der Anatolien Kulturverein zum „1. Interreligiösen Fest in Olten“, dem Nachfolger vom Noah Fest, ein. Die geladenen Gäste konnten sich kennenlernen, austauschen, Barrieren abbauen und gemeinsam die offene Kultur erleben.

Olten Unter den 40 Gästen befanden sich Thomas Marbet, Stadtrat von Olten und Kantonsrat SP, der jüngste Solothurner Kantonsrat Jonas Hufschmid (CVP) und für die Solothurner Interkonfessionelle Konferenz SIKO die Damen Theres Mathys und Brigitta Köhl; letztere ist auch Präsidentin des christkatholischen Kirchgemeinderats in Olten. Die Ehrengäste dieses Abends waren jedoch drei junge Flüchtlinge aus Afghanistan, welche der Verein eingeladen hatte.

Das Fest fand über den Dächern von Olten, in der Cafeteria der Stiftung Arkadis an der Aarauerstrasse, statt. In einer ungezwungenen Atmosphäre gab es neben kulinarischen Köstlichkeiten auch anatolische Livemusik, und zum Dessert das Noah Müesli. Zu dieser Veranstaltung haben die Vereinsmitglieder ihre Nachbarn, Freunde und Bekannte aus verschiedenen Kulturen und Religionen eingeladen.

Gökhan Karabas, Sprecher des Anatolien Kulturvereins, begrüsste die Gäste herzlich und erinnerte daran, dass es bei diesem Anlass darum gehe, Vorurteile und Barrieren abzubauen sowie Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Der Oltner Stadtrat Thomas Marbet begrüsste die Gäste im Namen der Stadt und betonte, dass dieses interreligiöse Zusammentreffen zeige, wie wichtig das friedliche Zusammenleben sei und der Dialog durchaus möglich sei. «Wenn man in die Welt hinausschaut, hat man manchmal das Gefühl, dass all dies nicht möglich ist, dass Konflikte und Vorurteile sehr gross sind. Man muss sich zusammen an den Tisch setzen, um sich gegenseitig zu verstehen.»

Jonas Hufschmid, der junge Kantonsrat, äusserte seine Gedanken zum Zusammenleben verschiedener Religionen. Er erwähnte, wie sehr er von der goldenen Regel der Weltreligionen beeindruckt ist. Denn die besagt, dass sich die Weltreligionen in einem Grundsatz einig sind: «Behandle andere Menschen so, wie du von ihnen selbst behandelt werden willst.» Er wies darauf hin, dass wenn jeder Mensch sich an diese Regel halten würde, es auf der ganzen Welt Frieden gäbe.

Die Delegierte der Interkonfessionelles Konferenz SIKO, Brigitta Köhl, machte darauf aufmerksam, wie wichtig der interreligiöse Dialog in Zeiten wie diesen sei, in welchen Streit und Krach herrsche. Sie berichtete den Gästen von der „Woche der Religionen“, welche einen Tag nach diesem Zusammenkommen mit dem „Interreligiösen Spaziergang durchs Niederamt“ geendet hat.

„Kultur des Zusammenlebens!“ – mit diesem Motto luden die Anatolischen Kulturzentren in Olten und in Gränichen AG gemeinsam mit dem Dialog Institut zu einer bedeutsamen Schifffahrt auf dem Hallwilersee ihre Gäste ein. Die Veranstalter nennen dieses Ereignis NoahFest. Am diesjährigen NoahFest nahmen u.a. die Nationalräte Beat Flach, Philipp Hadorn teil. Das Fest fand am 5. Dezember 2015 um 15 Uhr auf dem Hallwilersee statt. In einer angenehmen Atmosphäre wurde neben kulinarischen Köstlichkeiten auch Livemusik gespielt. Zum Schluss der Veranstaltung wurde das hausgemachte Noah-Müesli serviert. Zu dieser Veranstaltung waren Vertreter der Religionsgemeinschaften sowie politische Vertreter diverser Parteien, Unternehmer, Medienschaffende, Akademiker und andere Multiplikatoren eingeladen. Zum Andenken an Terroropfern begann das Fest mit einer Schweigeminute. Das NoahFest ist eine einträchtige kulturelle Veranstaltung. Die geladenen Gäste begegneten sich auf einem Schiff auf dem Hallwilersee, um sich kennen zu lernen, sich auszutauschen, das symbolhaltige Ambiente zu geniessen und gemeinsam die Segel in Richtung einer friedvollen und vielfältigen Zukunft zu setzen. Das Anatolien Kulturzentrum organisierte das NoahFest in Kooperation mit dem Dialog Institut. Dieses Fest fand zum ersten Mal im Aargau statt. Das NoahFest ist beim Dialog Institut vor neun Jahren zur Tradition geworden. Die Motivation war der Gedanke, dass letztendlich alle im gleichen Boot sitzen, im Boot einer globalisierten Welt. In diesem Boot können Differenzen und Meinungsverschiedenheiten angesprochen, diskutiert und kritisch betrachtet werden. Jeder in der Gemeinschaft profitiert vom kulturellen Reichtum und dem Erfahrungsschatz des anderen. Mesude Helvaci vom Anatolien Kulturverein: „Migration ist keine Identität, es ist eine Lebenserfahrung.“ Nationalrat Beat Flach ermahnte uns, dass wir alle eine „Migrationserfahrung“ haben. Man müsse nur genug weit in die Vergangenheit schauen. Er machte den Teilnehmern Mut für die Zukunft und erinnerte daran, dass sich der Nebel der unsere Welt umspannt legen wird. „Am Noah Fest sind alle Religionen vertreten und bilden Licht im Nebel auf unserem gemeinsamen Weg“. Symbolhaft war auch der Nebel an diesem Nachmittag auf dem Hallwilersee, welcher sich etwas gelichtet hatte, als das Schiff nach der Rundfahrt wieder am Ufer anlegte.

Nationalrat Philipp Hadorn betonte in seinem Statement die Notwendigkeit und Wichtigkeit des interkulturellen und interreligiösen Dialogs und erzählte dazu von seiner Erfahrung mit Flüchtlingen, die er vor Jahren in Olten begleitete. „Obwohl Menschen mit verschiedenen Nationalitäten und Kulturen als Asylanten unter einem Dach lebten, war es eine sehr friedliche Atmosphäre in diesem Haus.“ Der Geschäftsleiter des Internationalen Versöhnungsbundes (Ifor Schweiz) Hansulrich Gerber unterstrich die Bedeutung der Zivilcourage mit den folgenden Worten: „Heute, wo Propaganda, Gleichschaltung und Polarisierung pausenlos am Werk sind, wo der Druck des Konsums, die Demagogie der Machtpolitik und die Verblendung des militärisch-industriellen Komplexes unermesslich hoch sind, ist Zivilcourage eine eher seltene, doch enorm wichtige Qualität.“ „Der Frieden ist kein Zustand, in dem es kriegerische Auseinandersetzungen fehlt. Er ist vielmehr ein Prozess, in dem Menschen such für Akzeptanz, Achtung und Respekt einsetzten“, so der Geschäftsleiter des Dialog Instituts Ramazan Özgü.

Zum Dialog Institut: Das Dialog Institut ist als politisch neutraler und gemeinnütziger Verein organisiert. Es wurde am 01. September 2004 gegründet. Die Gründungsmitglieder sind mehrheitlich erfahrene Personen im interkulturellen und interreligiösen Dialog, die sich als Brückenmenschen verstehen. Das Institut ist offen für alle Menschen. Zum Kulturverein Anatolien: Anatolien Kulturverein ist ein zivilgesellschaftlicher und gemeinnütziger Verein, der sich bezweckt, die Kultur des Anatoliens sowohl zu Menschen mit anatolischen Hintergrund als auch zur einheimischen Bevölkerung in der Schweiz in einer freundlichen aufrichtigen Art und Weise widerzuspiegeln. Unsere globalisierte Welt braucht Friedensbrücken zwischen Kulturen, ehrliche Schritte und Bemühungen abzubauen gegenseitiger Vorurteile mehr als bisher, um friedliches Zusammenleben zu realisieren.

Original Link:

Neue Oltner Zeitung, 7.12.2015

http://www.noz.ch/olten/detail/article/alle-im-gleichen-boot-0069558/