Mehr als 10’000 Frauen darunter Geschäftsfrauen, Akademikerinnen, Journalistinnen sowie Lehrerinnen und um 740 Kinder, deren Alter zwischen 0 und 5 rangiert, werden seit dem Putschversuch am 15. Juli 2016 rechtswidrig festgehalten. Sie werden ohne jegliche Beweise beschuldigt Mitglieder einer Terrororganisation zu sein.

Am 8. März hat Stiftung Lernforum eine Veranstaltung zum Weltfrauentag organisiert, in dem die türkischen Menschenrechtsverletzungen mit einem besonderen Augenmerk auf Frauen behandelt wurden. Die eingeladenen Frauen aus der Umgebung hatten zudem die Gelegenheit, Flüchtlinge aus der Türkei kennenzulernen.

Nachstehend wurden die übersetzten Vorträge der Flüchtlinge hinzugefügt.

Übersetzungen:

Ich begrüsse Sie ganz herzlich. –  Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, am heutigen Programm teilzunehmen. Und der Stiftung Lernforum danke ich für diese tolle Gelegenheit.

Mein Name ist A.Ö., ich komme aus der Türkei. Rund 11 Jahre arbeitete ich als Rechtsanwältin und Juristin in verschiedensten Institutionen der türkischen Republik.

Wie Sie bereits wissen, fand in der Türkei am 15. Juli 2016 ein gescheiterter Putschversuch statt.

Fünf Tage später erklärte der Staat den Ausnahmezustand. Und der Putschversuch war der Beginn einer grossen Hexenjagd im ganzen Land.

Wie im UN-Menschenrechtsbericht dargelegt wird, war dies das Hauptziel des Erdogan-Regimes.

Jegliche Juristen wurden nur ein Tag nach dem Putschversuch verhaftet. Danach wurden sie von den Strafrichtern der Magistraten festgenommen.

Magistraten, die nicht eine Festnahme angekündigt haben, und sich für wie Tatsache entschieden haben, wurden anschliessend auch verhaftet. Menschen, die ihr ganzes Leben dem Gesetz und Rechten gewidmet hatten, wurden beschuldigt, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung und Teil des Putschversuches zu sein.

Bis zum 15. Juli hatte ich ein absolut erfolgreiches Arbeitsleben. Wir lebten ein bescheidenes Leben mit meiner Familie, mit meinen beiden Töchtern und meinem Mann. Fünf Tage nach dem Putschversuch brach die Polizei in unser Haus ein. Ich hatte solche Angst, als ich die Polizisten an der Tür sah. Die Polizei sagte, dass sie mich ohne Durchsuchungsbefugnis untersuchen würden und ich eingesperrt werden würde. Ich dachte sofort an meine Kinder. – Was passiert mit den Kindern, wenn ich festgenommen werde?Die Kinder hatten ebenfalls sehr große Angst. Ich rief sofort meinen Mann an, und bat ihn von der Arbeit nach Hause zu kommen. Damit meine Kinder sich keine Sorgen machen, habe ich ihnen erzählt, dass die Polizisten nur für eine gemeinsame Arbeit da sind und ich kurz weg muss. Mein Mann kam nach Hause und anschliessend musste ich das Haus zusammen mit den Polizisten verlassen. Ich hatte keine Ahnung, was mit mir passieren wird und wann ich meine Kinder wieder sehen werde. Sie legten mir Handschellen an und ich wurde zum Polizeirevier gebracht. Da es in der Gefängniszelle keinen Platz hatte, musste ich die Nacht im Flur verbringen. Wir waren zu siebt. Eine Frau musste ihr fünf Monate altes Baby zurücklassen. Gott sei Dank durften wir unsere Milch abpumpen und sie an unsere Baby zuhause überbringen lassen. Am nächsten Tag wurden wir ins Gerichtsgebäude gebracht. Der Staatsanwalt informiert uns über die Anklage wegen Mitgliedschaft einer bewaffneten Terroristenorganisation, er konnte uns jedoch keine Beweise für die Anklage aufzeigen. Ich wurde ohne ein Gerichtsverfahren wieder freigelassen. Wegen angeblicher Mitgliedschaft einer bewaffneten Terrororganisation durfte ich meinen Beruf nicht mehr ausüben. – Doch bis zu diesem Tag gab es keine einzige strafrechtliche Ermittlung gegen mich. Am 24. April 2017 brach die Polizei erneut in unser Haus ein. Diesmal wurde mein Mann, der auch ein Rechtsanwalt war, in Gewahrsam genommen. Nach 6 Tagen wurde er ohne Grund verhaftet und blieb ungefähr 10 Monate im Gefängnis in Sincan / Ankara.  Er wurde unteranderem beschuldigt weil er,1. Mitglied eines bestimmten Vereins war2. bei der Bank Asya ein Konto hatte.3. weil er ein Anwender der Kommunikations-App „Bylock“ war

Nach dem Prozess wurde mein Mann zu 6 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt. – Wir hatten das Glück, dass er während der Berufungszeit bis zum definitiven Entscheid aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Von diesem Moment an, bestand in diesem Land keine Sicherheit mehr für uns. Wir wurden täglich vom Erdogan-Regime angegriffen.Schließlich mussten wir unsere Heimat verlassen. Die einstündige Bootsfahrt trieb uns nach Griechenland.Wir waren jetzt zwar frei, aber ließen unsere Liebsten zurück. Wir hatten nicht mal die Gelegenheit uns von ihnen zu verabschieden. Während der Flucht erhielt ich die Nachricht vom Tod meines Vaters. – Dies war der schlimmste Moment meines Lebens.Weder der Tag, an dem ich in Gewahrsam genommen wurde, noch mein zehnmonatiger Gefängnisaufenthalt war so schwierig für mich.  Am liebsten wäre ich zurück in die Türkei, um meinen Vater ein letztes Mal zu sehen und an der Beerdigung teilzunehmen. – Doch das war leider nicht mehr möglich.Wenn ich an diesen Tag zurückdenke, breche ihn in Tränen aus. – Ich konnte mich nicht von ihm verabschieden… Ich hoffe so sehr, dass wir uns im Jenseits wieder vereinen werden. Später erfuhr ich, dass ich in einer öffentlichen Zeitung als Terroristin erklärt wurde. Meine Verwandten und mein soziales Umfeld haben mich völlig ausgestossen und vermieden jeglichen Kontakt mit mir. Wegen Vorsichtsmassnahmen konnten wir unser Haus nicht verkaufen. Mein Gehalt wurde konfisziert und unsere Kreditkarten wurden storniert. Es gibt circa 200‘000 Menschen die auf ähnlicher Art und Weise tyrannisiert worden sind. Ich bin nur ein Beispiel von vielen. Ich zähle mich zu den Glücklichen, da ich trotz allem zusammen mit meiner Familie bin und mich in einem demokratischen Land aufhalten darf. Ich habe ein neues Leben begonnen und freue mich trotz allen Schwierigkeiten auf dieses neue Leben.Ich versuche für meine Kinder stark zu bleiben. Das ganze fühlt sich an, wie ein Verkehrsunfall. Ich leide an materiellen wie auch an geistigen Schmerzen. Langsam fühle ich mich besser, aber ich bin immer noch verwundet. Solange die Menschen unfair behandelt werden, können sich meine Wunden auch nicht vollkommen verheilen.  Ich denke keinen Moment an eine Rache. – Ansonsten würde ich mich ja kaum von diesen Tyrannen unterscheiden. – Die Geschichte wiederholt sich. Ungesetzlichkeit, Verfolgung und Diktatur. – Doch jede Nacht hatte auch einen Tag. – Ich wünsche mir von Herzen, dass diese „Hexenjagd“ bald endet und alle daran beteiligten Personen eines Tages ans Licht kommen und rechtlich und fair verurteilt werden. Danke, dass Sie so geduldig zugehört haben.

Hallo, ich bin N. P. . Ich bin aus der Türkei geflüchet und bin seit 3 Monaten in der  Schweiz. Ich war eine Hebamme und führte meine Arbeit 18 Jahren mit Erfolg aus. Während meiner Karriere habe ich in vielen bereichen Zertifikate erhalten. Bis zum 15 Juli hatte ich ein schönes Leben gemeinsam mit meinem Mann und meinen 2 Kindern.

Wie sie sicherlich bereits wissen fand am 15 Juli ein erfolgloser Putschversuch statt. Das Volk hat diese Nachricht über die Zeitung, Online-Medien und das Fernseh erfahren. Natürlich konnte ich wie jeder andere, es nicht fassen.

Am nächsten Tag wurde ich aus meinen Ferien zurück gerufen und musste meine Arbeit wieder aufnehmen. Nach 3 Arbeitstagen an einem Freitag, standen in der regionalen Online-Zeitung meine Inizialen und ich wurde als Volks Verräter gemeinsam mit anderen Freunden von meiner Arbeit freigestellt. Ich war schokiert, denn ich habe von niemandem bis jetzt ein offizielles Dokument erhalten. Von niemandem kam eine Aussage oder Erklärung. Am Sonntag waren wir bei Bekannten zu Besuch. Auf dem Heimweg bekam mein Mann einen Anruf, ihm wurde gesagt er solle schnellst möglich zu seinem Arbeitsplatz, es sei von Zivilisten mit Waffen überfallen worden sein. Daraufhin habe ich sofort mein Mann zu seiner Arbeitstelle, gebracht. Endlich zu Hause dachte mir, doch der nächste Schock wartete auf mich. Die Haustür stand offen. Das Haus es war völlig durchwühlt. Alles war durchsucht. Alles stand Kopfüber. Ich spürte die Angst meiner Kinder die kaum ein Wort aus sich heraus bringen konnten.

Meine Nachbarin teilte mir mit, dass die Polizei eine Durchsuchung gemacht hat. Diese Durchsuchung war nicht die letzte dabei war ich mir sicher und aus Angst beschloss ich mit meinen Kindern zu meiner Mutter zu gehen. Am nächsten Tag auf der Arbeit, sprach niemand mehr mit mir. Ich versuchte herauszufinden was los war. Gegen Ende meines Dienstzeites wurde ich ins Büro vom Geschäftsführer gerufen und mir wurde mitgeteilt das ich nun fistlos gekündigt bin. Ich glaube, das war der schlimmste Tag meines Lebens. Was habe ich falsches gemacht?

Es gab keine Erklärung, ich wusste nur dass ich in der Zeitung als eineTeroristin und als eine Verräterin bezeichnet wurde. Diese sehr schwere Anschuldigung zu verkraften brauchte Zeit. Von einem Moment zum nächsten sah mich mein Umfeld als einen Feind. Das Verhalten meiner Freunde, werde ich ein Leben lang nicht vergessen. Als ich mich zum Mittagessen setzte, standen plötzlich alle auf und sagten, dass ich nie wieder mit Ihnen sprechen sollte.

Freunde die ich seit 14 Jahren kenne, vertraue, liebe und Wert schätze sprachen nicht mehr mit mir. Einige haben mich sogar gedehmütigt indem sie mich Staatsveräterin bezeichnet haben. Und sich über mich lächerlich gemacht haben. Das waren doch meine Freunde ? Was habe ich ihnen angetan dachte ich mir? Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass war erst der Anfang der mir zuvorstehenden grauenvollen Tage.

Seit dem ich meinen Mann zu seiner Arbeit gebracht habe, habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ich konnte nicht zu seiner Arbeit gehen und nach ihn ich würde mich dadurch nur selber in Gefahr bringen. Ich konnte Ihn weder telefonisch erreichen noch habe ich von irgendwoher eine Nachricht bekommen. Ich hatte Angst um sein Leben. Angst um meinen Ehemann. Angst um den Vater meiner Kinder.

Das Ferseh, Online-Medien und die Zeitung ruften das Volk auf die Gülenisten auszulöschen. Wortwörtlich wurde daraus eine Kampagne. Eine Kampagne die Unschuldige den Tod bringen sollte. Ich musste zusehen wie meine Freunde in Gewahrsam genommen und verhaftet wurden. Ich musste mir anhören wie meine Freunde und meine Mitmenschen gefoltert wurden.

Ich wusste nicht ob es eine forensische Untersuchung über mich gab und hatte deshalb grosse Angst. Ich machte mir Sorgen um meine Kinder. Ich habe nichts gemacht was gegen das Gesetzes wäre, und deshalb entschied ich mich, mich nicht der Polizei zu stellen. Was passiert mit meinen Kindern, wenn ich verhaftet werde? Dieser Gedanke liess mich nich los und raubte mir unzählige Nächte. Wem sollte ich meine Kinder anvertrauen?

Nach diesem Putsch musste ich meine 14-jährige Tochter an fremde Hände übergeben. Diese Entscheidung habe ich nur für ihre eigene Sicherheit getroffen. Von nun an besuchte sie ein kostenloses Staatliches Internat. Als ich mit meinem 6-jährigen Sohn bei Verwandten zu wohnen begann, erfuhr ich, von einem Haftbefehl den es gegen mich gab.

Ab diesem Moment, begann das elende Verstecken. Am 6 Januar 2017 erfuhr ich das mein Name sich auf der dekreten Liste befand, dass heisst meine Berufung wurde mir entzogen. Das Leben war jetzt viel schwieriger. Ab diesem Moment an wurde ich als Feind dieses Landes angesehen vobei ich doch erst vor einigen Monaten noch eine sehr erfolgreiche Hebamme war. Von nun an wurde auch meine Sozialversicherung aufgelöst und ich konnte keine Arbeitsstelle mehr finden.

Wir sind alleine. Alle meine Freunde, Verwandten und Bekannten haben ihre Beziehung zu mir beendet. Niemand sprach mehr mit mir, selbst meine Anwesenheit bereitete ihnen Angst. Inzwischen fühle mich mehr tod als lebendig. Inzwischen lebe ich seit 2 Jahren versteckt. Meine eigene Tochter musste ich während dieser Zeit heimlich treffen.

Weil ich von meiner Berufung ausgeschlossen wurde hatte ich weder einen Job noch ein Bankkonto. Weil ich gesucht wurde konnte ich nicht eine Arbeit mit Versicherungsschutz aufnehmen. Ich musste also schwarz arbeiten. Ich habe in einem Restaurant unter falschen Personalien gearbeitet.

Jeden Tag als ich meinen Sohn zur Schule brachte, musste ich mich fürchten. Mein Sohn verstand, das nichts in Ordung ist und fragte mich ständig. Warum sind wir nicht zu Hause? Warum leben wir so? Wo ist mein Vater? Wo ist meine Schwester? Du hilfst doch Menschen? Wieso haben Sie dir deine Arbeit weggenommen wieso bist du arbeitslos? Als eine Mutter konnte ich meinem eigenem Sohn keine Antworten geben. Wie sollte ich ihm das erklären? Wie sollte ich einem Kind dieses Ungerechte das uns angetan wird erklären. Ich wusste das seine kleine Welt nicht mehr aus bunten Farben bestand. Zu Hause brachte ich mit meinem Sohn die Sätze bei, die er allenfalls bei einer Polizei Befragung aufzitieren musste. Unser Leben lag auch nun in seinen kleinen unschuldigen Händen.

Ich habe in einer Kindergrippe angefangen zu arbeiten als Gedächnistrainerin für Kinder. Inzwischen benutzte ich auch kein Handy mehr weil ich habe Angst dass Sie mich verfolgen. Ich habe an diesem Tag von einer Arbeitskolleginn das Handy ausgeliehen und meine Mutter angerufen. Ihre Nachrichten haben mich erschüttert. Das Haus meiner Eltern ist von der Polizei durchsucht worden und mein Vater wurde in gewahrsam genommen. Ich verliess sofort mein Arbeitsplatz und holte mein Sohn von der Schule ab.

Nachdem wir die Schule verlassen haben, traf die Polizei ein und wollte meinen Sohn befragen. Als die Polizei erfahren hat das ich meinen Sohn soeben abgeholt habe stürmten sie meinen neuen Arbeitsplatz und haben meinen Geschäftsführer ins Untersuchungshaft genommen.

Ich muss erwähnen das mein Anruf bei meiner Mutter nicht selbstverständlich war, während dieser schwirieger Zeit habe und wollte ich sie nicht anrufen. An diesem Tag war das eine Ausnahme, eine Ausnahme die mir und das Leben meines Sohnes gerettet hat.

Wenn die Polizei meinen Sohn in der Schule vorgefunden hätte, hätten sie, bei ihm nach Ihrer Verhörung ein psychologisches Trauma hinterlassen, das er niemals vergessen würde. Ab jetzt konnte ich meinen Sohn auch nicht mehr zur Schule bringen. Meine Tochter konnte mit dem psychischen Druck nicht mehr umgehen und erlitt einen Nervenzusammenbruch, Sie wurde mit einem Ambulans ins Krankenhaus gefahren. Selbst in diesen Momenten konnte ich nicht bei meiner Tochter sein. Ich konnte weder Ihre Hand halten noch irgendwie Sie als Mutter unterstützen und bei Ihr sein.

Die Türkei wurde für uns ein Land in dem wir nicht länger bleiben konnten meine Kinder konnten nicht mehr zu Schule und ich war im ewigen Versteck-Spiel gefangen. Ich meinen letzten 6 Monaten ging ich nur noch für den Lebensmitteleinkauf aus dem Haus. Als die Polizei erneut bei meiner Tante war und Sie das Haus wild duchsucht hatten, gab Sie aus Angst nach und teilte den Polizisten die Adresse meines Unterkunftes. Von nun an brauchte ich einen neuen Unterschlupf. Auf einmal fand ich mich auf der Strasse. Ich hatte keine Verwandten mehr zu denen ich gehen oder mich wenden konnte. Eine Frau die mit mir das selbe Schiksal teilte war meine Rettung. Ich konnte mich bei ihr zu Hause einnisten. Eine Nacht bekam mein Sohn hohen Fieber ich wusste er brauchte ein Arztbesuch aber aufgrund der Datenbearbeitung bei einer Anmeldung im Krankenhaus konnte ich ihn nicht bringen.

Ich habe noch nie eine Tat begangen die gegen das Gesetz war. Ich habe einen sauberen Leumund. Aber irgendwie habe ich mich anscheinend doch schuldig gemacht. Ich habe mich strafbar gemacht weil ich für hilfsbedürftigte Studenten Stipendien bezahlt habe. Ich habe mich strafbar gemacht weil ich meine Kinder zur einer Gülen Schule geschickt habe. Ich habe mich strafbar gemacht weil ich für Bedürftigen Menschen Nahrungsmittel gespendet habe. Die Tatsache, dass ich ein Konto bei der Bankasya hatte, reichte aus, um mich zu einen Terroristen zu erklären.

Wie jeder Gülenist veruschte ich ein vorbildliches Leben zu führen und mich aktiv für meine Mitmenschen einzusetzen.

Vor dem 15 Juli wurden wir unterstützt und geschätzt, jetzt war nichts mehr davon zu riechen. Alle empfanden Hass für uns. Wir konnten in der Türkei nicht mehr sicher leben und mussten alle unsere Geliebten hinter uns lassen. Ich wünschte ich hätte mein Land nicht verlassen müssen. Damals als es uns noch gut ging musste ich mir keine Sorgen um meine Kinder machen ich konnte ihnen sehr vieles anbieten. Es ist nicht leicht in einem fremden Land von neu Anzufangen. Sich alles neu aufzubauen braucht Zeit und Kraft. Meine Gedulg war mein begleiter durch diese schwere Zeit.

Es war Juli 2018 als wir mit einem kleinem Boot, 11 Leute darunter ein 2 Monate altes Baby 45 Minuten lang unseren Atem anhielten bis wir in Griechenland angekamen. Das Boot hatte sich mit Wasser aufgefüllt wir waren pitsch nass und verdreckt. Wir waren von nun an Frei. Sobald wir Meric überquert hatten fragte mich mein Sohn. Mami wir sind aus der Hölle. Was hat ein 7 jähriges Kind erlebt das es solche Worte in den Mund nimmt. Wie werden sich unsere Wunden heilen? Seit 2 Jahren konnten wir aus Angst nicht schlafen weil wir uns vor der Polizei fürchteten. In Griechenland als uns die Polizei mitgenommen hat empfanden wir nur Freude. Bis heute hatten wir Angst vor der Polizei und jetzt freuten wir uns die Polizei zu sehen.

Unsere Reise endete in der Schweiz. Zum ersten Mal konnte ich mit meiner Familie gemeinsam in Sicherheit schlafen.

Mein Name ist N. K. , ich bin Primarlehrerin. Gemeinsam mit meinem Mann bin ich die Schweiz geflüchtet. Wie Tausende andere wurde auch ich und mein Ehemann, nach dem 17 Juli beschuldigt, Terrorist zu sein. Ich war 3.5 Monaten mit meinem Mann verheiratet und war schwanger, als unerwartet die Polizei unsere Wohnung stürmte. Sie stöberten in unseren persönlichen Gegenständern herum. Ohne Begründung nahmen Sie meinen Mann in Gewahrsam. Am selben Tag wurde mein Bruder von der Polizei in Untersuchungshaft genommen. So begann für mich meine schwere Zeit.

Kummer und Zweifel hatten mich besiegt und ich habe mein 8 Wochen altes Baby verloren. Weil mir keine Möglichkeit geboten wurde, meinen Mann zu kontaktieren und Ihn über unseren Verlust Bescheid geben zu können, musste ich alleine trauern. Voller Trauer und einer Enttäuschung in mir konnte ich meinem Mann, 15 Tage später im Gerichtsgebäude aus Weitem mit Handzeichen, unseren Verlust mitteilen.

Später durfte ich Ihn jede 2te Woche 1-mal für 20 Minuten in einer geschlossenen Kabine sehen, getrennt durch eine Glasscheibe. Und einmal je 2 Wochen mit ihm telefonieren für 10 Minuten.

Die Tatsache, dass die Beamten im Gefängnis uns als Terroristen betrachteten, fühlte sich grauenhaft an. Meinem Mann konnte ich erst 2 Monate später an einem offenen Treffen umarmen. Dinge wie Umarmen, Küssen, Reden waren so weit weg von der Realität, dass sie nur noch in meinen Träumen existierten. Nebenbei wurden weiterhin Tausende von Menschen in Gewahrsam genommen und ins Gefängnis gesteckt. Die Hexenjagd hat somit begonnen. Ob man mit oder ohne Beweismittel festgenommen wurde, spielte keine Rolle, das eigentliche Ziel war, so viele wie möglich einzusperren und Familien auseinanderzureissen.

Nach gefühlten endlosen 15 Monaten, am 8. Oktober 2017, während meines Besuches haben Sie mich vor den Augen meines Mannes festgenommen. Wir waren ein junges verheiratetes Paar, welches auseinandergerissen wurde. Wir warfen erstarrt uns die letzten Blicke zu, ohne ein Gewissen zu haben, ob wir uns je wieder sehen werden. Das war einer meiner traumatischsten Tage, die ich je erlebt habe. Als ich festgenommen wurde, durfte ich meine Familie nicht anrufen. Dadurch entstand ein enorm grosser psychischer Druck in mir. Trotz, dass ich und mein Ehemann im gleichen Gefängnisgebäude waren, durften wir uns nicht sehen, obwohl dies unser Recht gewesen wäre.

An bestimmten Tagen hatten wir warmes Wasser für 2h zum Duschen. Duschen konnte man trotzdem nicht wirklich, denn in der Kabine war so ziemlich alles verrostet und verkalkt. Ausserdem hatten wir täglich bis zu 5h gar kein Wasser zur Verfügung. Selbst in Notfällen war es nicht leicht ein Arzt zu besuchen. Ich musste 4-mal grundlos den Trakt wechseln und überall gab es Mütter mit kleinen Kindern. Die Kinder waren zwischen 1-2 Jahre, der Boden aus Beton, keine Spielsachen, keine Geschichtsbücher und kein kinderentsprechendes Essen. Für die ganz kleinen unter uns war dieser Aufenthalt am schlimmsten. Ständig wurden Kinder tagelang krank, aber niemand brachte uns Medikamente. Nach 4 Monaten stand ich im Gerichtssaal. Das Urteil war entsetzend. Trotz keinerlei Beweise, wurde ich zu 6 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt. Bis das Obergericht meine Haftstrafe bestätigt, wurde ich auf Bewährung freigelassen. Bis dahin hatten sie mir schon meine 4 Monaten geraubt. Das war ein gezieltes Foltersystem. Trotz all dem musste ich auf den Beinen stehen. Denn ich wusste, dass auch dieses Leid wird sein Ende finden und ich habe mich an meinem Glauben festgehalten. Nach vielen Monaten wurde endlich mein Mann freigelassen. Für uns gab es weder Freiheit noch Gerechtigkeit. Von nun an war uns bewusst, dass wir die Türkei verlassen müssen.

Weil wir ein Ausreise-Verbot bekamen, mussten wir leider über illegale Wege das Land verlassen. Es war nicht leicht den Mariza Fluss zu überqueren, welche die Türkei und Griechenland verbindet. Bis zum Tag unserer Überquerung haben wir viele Tragödien mitbekommen. Bei denen Boote versanken und Erwachsene mit Kindern ertranken. Es war nicht leicht alles in Kauf zu nehmen und alles hinter sich zu lassen. Schliesslich hatte ich keine Garantie, dass ich es überleben werde.

Nach ca. 8 Stunden Autofahrt waren wir am Mariza Fluss angekommen. Mein Mann und mein Bruder haben das Boot hervorgenommen. Ich war im 3. Monat schwanger, als ich als erste ins Boot stieg. Während wir endlich den griechischen Boden betraten, sahen wir wie 2 Männer, die mit den Armen versuchten uns wegzuscheuchen. Sie wollten, dass wir zurück in die Türkei gehen. Währenddessen war ich nervös und hatte Angst, dass sie uns etwas antuen könnten. Sofort packte ich deshalb meine Tasche und wir machten uns auf den Weg. Wir sind 1,5 Stunden marschiert. Leider musste ich, weil ich schwanger war, immer wieder kleine Pausen einlegen. An diesem Tag war das Wetter kühl und beim ersten Dorf sind wir direkt ins Dorf Café. Wir haben den Leuten gesagt, sie sollen die Polizei rufen. Eine Weile später traf die Polizei ein und sie haben uns aufs Polizei Revier mitgenommen. Danach mussten wir 2 Tage im Gefängnis verbringen. Die Bedingungen waren sehr schlecht. Ich habe nicht mit derart schlechter Behandlung gerechnet. Morgens und abends gab es Brot dazu ein bisschen Käse. Später wurden wir in ein Flüchtlingslager gebracht. Die Bedingungen da waren ebenfalls sehr schlecht. Die Toiletten waren sehr unhygienisch und uns wurden keine Reinigungsmittel zur Verfügung gestellt. Das war der ideale Ort, um sich zu infizieren und Krankheiten zu übertragen. Wir konnten uns nicht gut genug ernähren. Mein einziger Wunsch war es, diesen Ort gesund zu verlassen.

Nach dem Leben im Flüchtlingslager haben wir uns auf den Weg nach Athen gemacht. Mit unseren eigenen Möglichkeiten konnten wir uns in einem Appartement unterbringen. Denn auch in Griechenland wurden wir vom Türkischem Geheimdienst gesucht. Länger in Athen zu bleiben war für uns nicht sicher. Deshalb mussten wir leider wieder mit illegalen Ausweisen ausreisen. Zuerst sind wir nach Rom, dann nach Milano und anschliessend nach Zürich.

Momentan wohne ich in Strengelbach. Wir sind nun Fremde in einem fremden Land mit einer uns fremden Sprache. Wir kamen uns verloren vor. Leider können wir unsere Berufe hier nicht ausüben.

Wäre meine Sicherheit nicht in Gefahr gewesen, hätte ich mein Land nie verlassen. Wer würde schon gerne seine geliebte Heimat, sein Zuhause, seine Familie und alles was man über die Jahre aufgebaut hat einfach so verlassen.

Stiftung Lernforum hat zum Tag der Menschenrechte Freunde aus der Umgebung sowie drei Flüchtlinge aus der Türkei eingeladen.

Zuerst hörten sich die Gäste darunter die Stadträtin Iris Schelbert, Beat Niederberger, Präsident Caritas AG mit seiner Frau Catherine Ducret, Wieslaw Reglinski, kath. Pfarrer sowie die Vertreterinnen von Meeting Point die Geschichte der drei Ausgewanderten an, in der es um die Verletzungen der Menschenrechte ihrerseits seit Juli 2016 ging. Sie teilten mit den Gästen auch ihre Erlebnisse und Erfahrungen während der Flucht in die Schweiz, welche zutiefst berührten und zu denken gaben.

Im Anschluss gab es einen geselligen Apéro mit Guetzli und türkischem Tee.

Nachstehend wurden die übersetzten Vorträge der Flüchtlinge hinzugefügt.

Übersetzungen:

Ich bin R.T., Geschichtslehrer. Bis 2013 hatte ich aufgrund meines Berufes einen guten Ruf und wurde in der türkischen Gemeinschaft respektiert sowie geschätzt. Meine Frau ging es genau gleich. Auch sie war sehr erfolgreich in ihrem Berufsleben Mathematik Lehrerin.

Ab November 2013 hat sich diese Situation geändert. Wir wurden diskreditiert, wurden schlecht in schlechten Ruf gebracht und somit von der Gesellschaft ausgeschlossen. Unser Bewegungsraum wurde von Tag zu Tag beschränkt. Einige unserer Freunde sowie auch Verwandte haben uns nicht mehr begrüsst und haben sogar den Kontakt zu uns abgebrochen.
Am 15. Juli 2016 gab es in der Türkei einen Putschversuch, dessen Putschisten schon damals bekannt waren. Diese eigentliche Putschisten haben damals Menschen für den Putsch verantwortlich gehalten, die keinesfalls mit diesem Putschversuch zu tun hatten. Am 15. Juli wurden sogar Menschen beschuldigt, unabhängig davon ob diese im Spital in Behandlung, im Urlaub oder zu Hause waren. 100’000e von Menschen wurden als Putschist erklärt. Und somit
begann die Zeit wo diese beschuldigte jedoch unschuldige Menschen von Ihren Anstellungen entlassen wurden, verhaftet wurden, der Folter im Gefängnis unterworfen wurden und leider darunter auch solche, die ihren Verletzungen oder Krankheiten aufgrund des nicht-behandelns erlagen. Das sogenannte Genozid begann also.

Meine Frau und Ich wurden eine Woche nach dem Putschversuch von unseren Berufen ausrangiert. Am 1. September 2016 wurden wir dann beide entlassen. Ab diesem Zeitpunkt haben wir nirgends mehr eine Stelle gefunden. Niemand wollte uns anstellen. Alle hatten Angst als Putschist erklärt zu werden und vermieden jede Art von Unterstützung an Menschen der Gülen Bewegung. Wehe sie würden einen Gülenist anstellen, setzte man sie unter psychischem Druck, sodass sie nach einer
Weile diese Menschen wieder freistellen mussten. Auch den anderen entlassenen ging es nicht anders. Haben Sie eine Stelle gefunden, dauerte es nicht lange bis sie wieder entlassen wurden. Die Verhaftungen liefen ab dem 15. Juli 2016 auf Hochtouren. Die echten Kriminellen wurden freigelassen und anstelle diesen wurden wir Schritt für Schritt als politische Verbrecher festgenommen. In einigen Städten in Gefängnissen gab es Folterungen. Einige unserer Freunde
wurden durch den Nachrichtendienst festgenommene, wurden verschleppt und werden heute noch von ihren Angehörigen vermisst.

3 Monaten nach dem Putschversuch wurde ich festgenommen mit der Begründung an einer lokalen Pressemitteilung teilgenommen zu haben. Der einzige Grund bzw. Beweismittel für meine Festnahme war ein Foto der Pressemitteilung. Obwohl ich mit Angehörigkeit einer Terrorgruppe beschuldigt wurde, haben die Polizisten in meiner Wohnung meine Bücher durchgestöbert. Von Waffen oder ähnliches war natürlich keine Spur. Ich wurde ohne einen Beweismittel, mit einem
leeren Dossier verhaftet und beschuldigt. Ich war 17 Monaten in Haft. Meine Frau und meine 3 Töchter haben in dieser Zeit, in einer Wohnung gewohnt. Man wusste, dass wir kein Einkommen hatten, wir wurden getrennt, und meine Familie wurde gezwungen durch eine solche Situation alleine durchzukommen.
Meine Frau hat mit meiner jüngsten Tochter mich während diesen 17 Monaten besucht. Nach einer Fahrt von ca 3-4 Stunden sowie einer Wartezeit von 3 Stunden konnten wir uns durch eine Scheibe unterhalten, welche nicht einmal eine halbe Stunde dauerte. Denn mehr war nicht erlaubt. Die Vorbereitung für die Anklageschrift dauerte mehr als einem Jahr. In diesem einem Jahr fand ich niemand, welche meine Rechte verteidigen würde. Auch auf meine Gesuche bekam ich nie eine
Antwort. Nach einem Jahr wurde eine Anklageschrift erstellt, worin ich mit Angehörigkeit einer Stiftung, Mitglied einer Gewerkschaft, Kontoinhaber der Bank Asya, Anmeldung meiner Kinder in einer Privatschule der Gülenbewegung, einem Abonnement für eine Zeitschrift sowie mit dem Herunterladen einer allen öffentlich zugänglichen Applikation beschuldigt wurde. Mir wurde vorgeworfen Angehöriger einer Terrorgruppe zu sein. Die in der Anklageschrift enthaltene Behauptungen waren eigentlich meine verfassungsrechtliche Ansprüche, Das Gericht hat das Urteil beim 5. Strafprozess gefällt und ich wurde mit den vorhin erwähnten Beschuldigungen mit 6 Jahren und 3 Monaten verurteilt. Diese Zeitspanne verlief äusserst bedrückend und sorgenvoll für mich. Wir konnten weder vor dem Gericht noch im Gefängnis unsere Rechte beanspruchen. Und wie im Theater ging es im Gerichtssaal nach einem Skript zu und her. Am 13. März 2018 wurde ich freigelassen und natürlich wollte mich niemand anstellen. Arbeitslos verbrachte ich die Tage. Wir hofften, dass nun bald sich die Lage wieder verbessern würde. Doch leider verschlimmerten sich die Situationen. Von Tag zu Tag wurde meine Frau auf der Strasse sowie in dem Wohnblock wo wir damals wohnten, ausgeschlossen. Ähnlich ging es meinen Töchtern. In der Schule wollte keiner mehr mit Ihnen Kontakt knüpfen. Niemand wollte sich mit ihnen anfreunden. Würde der Richter die 6 Jahren 3 Monaten endgültig bestätigen, würde das bedeuten, dass ich wieder ins Gefängnis müsste. Die Wahlen am 24. Juni haben uns gezeigt, dass wir in unserem Heimatland keine Menschenrechte mehr ausüben werden können. Durch soziale Medien erfuhr ich, dass Menschen, welche in ähnlichen Situationen wie wir waren, über den Fluss Maritza die Türkei verlassen konnten. Mit einer spontanen Entscheidung am 27. Juni haben wir uns auf den Weg gemacht und sind nach Griechenland geflüchtet.

Ich hatte mein Haus im 2015 verkauft. 2 Tage vor der Flucht hatten wir auch unser Auto und ein paar Möbel verkaufen können, damit uns auf dem Weg genug finanzielle Mittel zur Verfügung steht. Wir mussten über stachelige Zäune klettern und mussten dann unter schlechten Umständen stunden Lang auf einem matschigen Weg laufen. In der Nacht hat die griechische Polizei uns in Untersuchungshaft genommen. Nach einem tag Untersuchungshaft, einem Tag Gefängnis und 3 Tage Aufenthalt im Lager wurden wir weiter nach Athen gebracht. Genau 2 Monate lang haben wir uns viele Gedanken darüber gemacht, wie wir aus diesem Land fliehen können. Ich habe mit Schmugglern Kontakt aufgenommen. Ich war wie in einem Aktionsfilm, welchen ich vielleicht bis dahin nur im Fernseher sah. Doch leider befand ich mich nun selber mitten in einem Film. Meine Familie und ich, wir hatten in Griechenland eine schwierige Zeit. Wir wollten nicht in Griechenland bleiben. Geflüchtet sind wir auch nicht für Griechenland, denn in diesem Land herrschte Krise. Es gab da keine Zukunft für uns. Viele Asylbewerber ging es nicht wohl und Arbeitslosigkeit hatte ihren Höhepunkt. Das Ausgehen des finanziellen Mittels, bevor wir ausreisen konnten, die Gedanken, dass ich mit meiner Familie in Griechenland wegen finanziellen Mittel in Not gerate sowie die mehreren
Fluchtversuche, welche jedesmal scheiterten, machten meine psychischen Zustand fertig. Am 3. September konnten wir dann endlich in die Schweiz einreisen und haben dann gleich einen Antrag um ein Asylgesuch gestellt. Meine Frau und meine 3 Töchter, wir versuchen nun in der Schweiz ein besseres Leben zu führen.

Mein Name ist S.Ö.. Ich komme aus der Türkei. Ich habe in der Türkei Jura Studiert und habe ungefähr 13 Jahre bei der staatlichen Behörden als Jurist gearbeitet.

Wie Sie wissen, wurde in der Türkei am 15. Juli 2016 ein Putschversuch unternommen. 5 Tage später erklärte der Staat den Not- und Ausnahmezustand. Das türkische Verfassungsgesetz wurde durch diesen Putschversuch ausser Kraft gesetzt und
somit begann im ganzen Land eine grosse Hexenjagd. Wie im Menschenrechtsbericht der Vereinten Nationen festgehalten wurde, waren insbesondere Juristen, Richter, Rechtsanwälte und Staatsanwälte das Hauptziel des Erdogan-Regimes. Nur einen Tag nach dem Putschversuch sind 2 Verfassungsgerichtsrichter, ungefähr 180 Berufungsgerichtsrichter und Staatsrichter in Gewahrsam genommen. Dessen Verfahren wurden vor einem Sondergericht durchgeführt, dass kurz vor dem
Putschversuch gegründet wurde und zum Zwecke hatte, gegen Regierungskritiker vorzugehen. Diese Respektspersonen und wertvollen Richter verbrachten ungefähr 2 Jahre ihres Lebens in einer Gefängniszelle. Sie werden momentan beschuldigt, Mitglied einer terroristischen Organisation zu sein.

Nach offiziellen Angaben haben rund 2.000 Soldaten am Putschversuch vom 15. Juli teilgenommen. Jedoch wurden über 9000 Militärangehörige mit mutmasslichen Putschvorwürfen gekündigt und 5.400 davon wurden festgenommen. Nach dem Putschversuch vom 15. Juli wurden über 35.700 Menschen aus dem öffentlichen Dienst entlassen und ihrer Rechte beraubt. Etwa 5.000 der am 15. Juli gerichteten 11.000 Staatsanwälte wurden entlassen. Die meisten von ihnen wurden festgenommen. An deren Stelle wurden neue Richter gewählt, die der Regierung und dem Regime gegenüber loyal waren. Wahlen finden unter der Aufsicht dieser neuen regimetreuen Richter statt. So sind faire Wahlen unmöglich. Deshalb ist die Behauptung, dass das Erdogan-Regime von einer Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird, eine grosse Lüge. Ich persönlich habe sowohl als Zeuge als auch ein Geschädigter diese grausamen Anwendungen erlebt. Deshalb möchte ich über meine eigenen Erfahrungen sprechen. Viele Freunde von mir, mit denen ich gleichzeitig an der Universität studiert habe, bevorzugten als Rechtsanwalt zu arbeiten. Ich habe mich entschieden, im öffentlichen Sektor zu arbeiten, obwohl zu geringerem Gehalt. Ich wollte so meinem Vaterland und der Bevölkerung dienen. Ich hatte ein bescheidenes Leben mit meiner Frau, und meinen 3 Kindern. Sie sind elf, sieben und zwei Jahre alt.

In der Nacht zum 15. Juli beobachtete ich mit Schrecken die Nachrichten, dass es eine Militäraktion gab. Später war ich schockiert zu hören, dass Präsident Recep Tayyip Erdogan, im Fernsehen, die Hizmet Bewegung für den Putschversuch, der noch in vollem Gange war verantwortlich machte. Gleichzeitig erklärte er die Hizmet Bewegung als bewaffnete Terrororganisation.

Ich hätte mir nie vorstellen können, dass in der demokratische Türkei die Gesetze in diesem Ausmass ausser Kraft gesetzt werden könnten. Nur vier Tage nach dem Putschversuch, am 15. Juli hat die Polizei meine Wohnung überfallen und hat meine Frau festgenommen. Sie war eine Juristin wie ich. Später wurde sie wieder bedingt freigelassen. Am 21. Juli, einen Tag nach diesem Vorfall, wurde ich zum ersten Mal entlassen und habe ich meine Arbeit verloren. Am 24. September 2017 hat die Polizei erneut unser Haus überfallen. Diesmal wurde ich sechs Tage lang in Polizeigewahrsam genommen. Der Richter hat mir gesagt; „Sie sind ein Jurist wie ich, also sind wir Kollegen. Es tut mir leid, ich muss Sie verhaften. Bitte versuchen Sie mich zu verstehen. Sonst kann ich mein Job verlieren”. Dieser Satz des Richters hat eigentlich gezeigt, dass in der Türkei die Richter unter Druck von der Regierung arbeiten müssen. Ich wurde ungefähr zehn Monate im Gefängnis von Sincan/Ankara festgehalten. Während des Prozesses, der aus drei Anhörungen bestand, wurde mir immer gesagt, wenn ich die Anschuldigung akzeptieren würde und wenn ich eine andere Personen denunzieren würde, könnte ich von der Strafe entlassen werden. Ich habe dieses Angebot nie angenommen und es wurde beschlossen, bei jeder Anhörung meine Inhaftierung fortzusetzen. Bei der letzten Anhörung wurde beschlossen, die technische Prüfung meines Mobiltelefons aufzugeben, das der grösste Beweis meines Falls wäre und die Behauptung hätte beweisen können, ich würde das verschlüsselte Nachrichten App Bylock verwenden. Das war tragikomisch. Als Ergebnis meiner Verhandlung wurde ich zu 6 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt. Ich war glücklich, dass der Berufungsprozess ohne Verhaftung beschlossen wurde und ich aus dem Gefängnis entlassen wurde. Ich wurde ohne jegliche Rückfrage aus dem Job entlassen, weil ich der  Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation angeklagt war. Ich wurde auf der ganzen Welt zum Terroristen erklärt. Ich wurde 10 Monate lang zu Unrecht und unter sehr schwierigen Bedingungen eingesperrt und am Ende zu 6 Jahren, 10 Monaten und 15 Tagen Gefängnis verurteilt.

Nach dem 15. Juli habe ich lange Zeit keine Arbeit gefunden. Meine Verwandten und mein soziales Umfeld haben mit uns alle Beziehungen eingefroren. Ich konnte mein Haus nicht verkaufen, weil es beschlagnahmt wurde. Das Gehalt meiner Frau wurde konfisziert und ihre Kreditkarte wurde storniert. Nach der Entlassung wurde mir klar, dass es mir unmöglich war, in meinem Land zu leben. Schließlich musste ich mein Land mit meiner Frau und meinen Kindern verlassen. Nach dem 15. Juli tragen etwa 200.000 Menschen ähnliche Schmerzen. Ich bin nur einer von ihnen und ich bin wirklich glücklich. Weil ich mit meiner Familie in einem demokratischen Land bin. Ich habe ein neues Leben begonnen und freue mich trotz aller Schwierigkeiten. Ich möchte mit voller Zuversicht in die Zukunft blicken. Bin ich glücklich oder fühle ich mich wohl? Nein. Denn es ist unmöglich. Hunderttausende Menschen, lebten und leben, wie ich unter sehr schwierigen Bedingungen. Sie können leider noch nicht ihre Freiheit gewinnen. Ich habe und fühle keine Rache. Aber die Geschichte wiederholt sich. In den schwarzen Seiten der Geschichte befinden sich viele Beispiele, in Bezug auf die Illegalität, Verfolgung, Grausamkeit und der Ende von Diktaturen. Mein einziger Wunsch ist, dass diese grausamen Menschen und ihre Helfer rechtlich und fair verurteilt werden.

Danke, dass Sie geduldig zugehört haben.

Hallo, ich bin Nursen P.A. . Ich bin aus der Türkei geflüchet und bin seit 3 Monaten in der  Schweiz. Ich bin eine Hebamme und führe meine Arbeit seit 18 Jahren mit Erfolg aus. Während meiner Karriere habe ich viele bereichen Zertifikate erhalten. Bis zum 15 Juli hatte ich ein schönes Leben gemeinsam mit meinem Mann und meinen 2 Kindern.

Wie sie sicherlich bereits wissen fand am 15 Juli ein erfolgloser Putschversuch statt. Das Volk hat diese Nachricht über die Zeitung, Online-Medien und das Fernseh erfahren. Natürlich konnte ich wie jeder andere, es nicht fassen.

Am nächsten Tag wurde ich aus meinen Ferien zurück gerufen und musste meine Arbeit wieder aufnehmen. Nach 3 Arbeitstagen an einem Freitag, standen in der regionalen Online-Zeitung meine Inizialen und ich wurde als Volks Verräter gemeinsam mit anderen Freunden von meiner Arbeit freigestellt. Ich war schokiert, denn ich habe von niemandem bis jetzt ein offizielles Dokument erhalten. Von niemandem kam eine Aussage oder Erklärung. Am Sonntag waren wir bei Bekannten zu Besuch. Auf dem Heimweg bekam mein Mann einen Anruf Ihm wurde gesagt er solle schnellst möglich zu seinem Arbeitsplatz, es sei von Zivilisten mit Waffen überfallen worden sein. Daraufhin habe ich sofort mein Mann zu seiner Arbeitstelle, gebracht. Endlich zu Hause dachte mir, doch der nächste Schock wartete auf mich. Die Haustür stand offen. Das Haus es war völlig durchwühlt. Alles war durchsucht. Alles stand Kopfüber. Ich spürte die Angst meiner Kinder die kaum ein Wort aus sich heraus bringen konnten.

Meine Nachbarin teilte mir mit, dass die Polizei eine Durchsuchung gemacht haben. Diese Durchsuchung war nicht die letzte dabei war ich mir sicher und aus Angst beschloss ich mit meinen Kindern zu meiner Mutter zu gehen. Am nächsten Tag auf der Arbeit, sprach niemand mehr mit mir. Ich versuchte herauszufinden was los war. Gegen Ende meines Dienstzeites wurde ich ins Büro vom Geschäftsführer gerufen und mir wurde mitgeteilt das ich nun fistlos gekündigt bin. Ich glaube, das war der schlimmste Tag meines Lebens. Was habe ich falsches gemacht?

Es gab keine Erklärung, ich wusste nur dass ich in der Zeitung als eineTeroristin und als eine Verräterin bezeichnet wurde. Diese sehr schwere Anschuldigung zu verkraften brauchte Zeit. Von einem Moment zum nächsten sah mich mein Umfeld als einen Feind. Das Verhalten meiner Freunde, werde ich ein Leben lang nicht vergessen. Als ich mich zum Mittagessen setzte, standen plötzlich alle auf und sagten, dass ich nie wieder mit Ihnen sprechen sollte.

Freunde die ich seit 14 Jahren kenne, vertraue, liebe und Wert schätze sprachen nicht mehr mit mir. Einige haben mich sogar gedehmütigt indem sie mich Staatsveräterin bezeichnet haben. Und sich über mich lächerlich gemacht haben. Das waren doch meine Freunde ? Was habe ich ihnen angetan dachte ich mir? Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass war erst der Anfang der mir zuvorstehenden grauenvollen Tage.

Seit dem ich meinen Mann zu seiner Arbeit gebracht habe, habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ich konnte nicht zu seiner Arbeit gehen und nach ihn ich würde mich dadurch nur selber in Gefahr bringen. Ich konnte Ihn weder telefonisch erreichen noch habe ich von irgendwoher eine Nachricht bekommen. Ich hatte Angst um sein Leben. Angst um meinen Ehemann. Angst um den Vater meiner Kinder.

Das Ferseh, Online-Medien und die Zeitung ruften das Volk auf die Gülenisten auszulöschen. Wortwörtlich wurde daraus eine Kampagne. Eine Kampagne die Unschuldige den Tod bringen sollte. Ich musste zusehen wie meine Freunde in Gewahrsam genommen und verhaftet wurden. Ich musste mir anhören wie meine Freunde und meine Mitmenschen gefoltert wurden.

Ich wusste nicht ob es eine forensische Untersuchung über mich gab und hatte deshalb grosse Angst. Ich machte mir Sorgen um meine Kinder. Ich habe nichts gemacht was gegen das Gesetzes wäre, und deshalb entschied ich mich, mich nicht der Polizei zu stellen. Was passiert mit meinen Kindern, wenn ich verhaftet werde? Dieser Gedanke liess mich nich los und raubte mir unzählige Nächte. Wem sollte ich meine Kinder anvertrauen?

Nach diesem Putsch musste ich meine 14-jährige Tochter an fremde Hände übergeben. Diese Entscheidung habe ich nur für ihre eigene Sicherheit getroffen. Von nun an besuchte sie ein kostenloses Staatliches Internat. Als ich mit meinem 6-jährigen Sohn bei Verwandten zu wohnen begann, erfuhr ich, von einem Haftbefehl den es gegen mich gab.

Ab diesem Moment, begann das elende Verstecken. Am 6 Januar 2017 erfuhr ich das mein Name sich auf der dekreten Liste befand, dass heisst meine Berufung wurde mir entzogen. Das Leben war jetzt viel schwieriger. Ab diesem Moment an wurde ich als Feind dieses Landes angesehen vobei ich doch erst vor einigen Monaten noch eine sehr erfolgreiche Hebamme war. Von nun an wurde auch meine Sozialversicherung aufgelöst und ich konnte keine Arbeitsstelle mehr finden.

Wir sind alleine. Alle meine Freunde, Verwandten und Bekannten haben ihre Beziehung zu mir beendet. Niemand sprach mehr mit mir, selbst meine Anwesenheit bereitete ihnen Angst. Inzwischen fühle mich mehr tod als lebendig. Inzwischen lebe ich seit 2 Jahren versteckt. Meine eigene Tochter musste ich während dieser Zeit heimlich treffen.

Weil ich von meiner Berufung ausgeschlossen wurde hatte ich weder einen Job noch ein Bankkonto. Weil ich gesucht wurde konnte ich nicht eine Arbeit mit Versicherungsschutz aufnehmen. Ich musste also schwarz arbeiten. Ich habe in einem Restaurant unter falschen Personalien gearbeitet.

Jeden Tag als ich meinen Sohn zur Schule brachte, musste ich mich fürchten. Mein Sohn verstand, das nichts in Ordung ist und fragte mich ständig. Warum sind wir nicht zu Hause? Warum leben wir so? Wo ist mein Vater? Wo ist meine Schwester? Du hilfst doch Menschen? Wieso haben Sie dir deine Arbeit weggenommen wieso bist du arbeitslos? Als eine Mutter konnte ich meinem eigenem Sohn keine Antworten geben. Wie sollte ich ihm das erklären? Wie sollte ich einem Kind dieses Ungerechte das uns angetan wird erklären. Ich wusste das seine kleine Welt nicht mehr aus bunten Farben bestand. Zu Hause brachte ich mit meinem Sohn die Sätze bei, die er allenfalls bei einer Polizei Befragung aufzitieren musste. Unser Leben lag auch nun in seinen kleinen unschuldigen Händen.

Ich habe in einer Kindergrippe angefangen zu arbeiten als Gedächnistrainerin für Kinder. Inzwischen benutzte ich auch kein Handy mehr weil ich habe Angst dass Sie mich verfolgen. Ich habe an diesem Tag von einer Arbeitskolleginn das Handy ausgeliehen und meine Mutter angerufen. Ihre Nachrichten haben mich erschüttert. Das Haus meiner Eltern ist von der Polizei durchsucht worden und mein Vater wurde in gewahrsam genommen. Ich verliess sofort mein Arbeitsplatz und holte mein Sohn von der Schule ab.

Nachdem wir die Schule verlassen haben, traf die Polizei ein und wollte meinen Sohn befragen. Als die Polizei erfahren hat das ich meinen Sohn soeben abgeholt habe stürmten sie meinen neuen Arbeitsplatz und haben meinen Geschäftsführer ins Untersuchungshaft genommen.

Ich muss erwähnen das mein Anruf bei meiner Mutter nicht selbstverständlich war, während dieser schwirieger Zeit habe und wollte ich sie nicht anrufen. An diesem Tag war das eine Ausnahme, eine Ausnahme die mir und das Leben meines Sohnes gerettet hat.

Wenn die Polizei meinen Sohn in der Schule vorgefunden hätte, hätten sie, bei ihm nach Ihrer Verhörung ein psychologisches Trauma hinterlassen, das er niemals vergessen würde. Ab jetzt konnte ich meinen Sohn auch nicht mehr zur Schule bringen. Meine Tochter konnte mit dem psychischen Druck nicht mehr umgehen und erlitt einen Nervenzusammenbruch, Sie wurde mit einem Ambulans ins Krankenhaus gefahren. Selbst in diesen Momenten konnte ich nicht bei meiner Tochter sein. Ich konnte weder Ihre Hand halten noch irgendwie Sie als Mutter unterstützen und bei Ihr sein.

Die Türkei wurde für uns ein Land in dem wir nicht länger bleiben konnten meine Kinder konnten nicht mehr zu Schule und ich war im ewigen Versteck-Spiel gefangen. Ich meinen letzten 6 Monaten ging ich nur noch für den Lebensmitteleinkauf aus dem Haus. Als die Polizei erneut bei meiner Tante war und Sie das Haus wild duchsucht hatten, gab Sie aus Angst nach und teilte den Polizisten die Adresse meines Unterkunftes. Von nun an brauchte ich einen neuen Unterschlupf. Auf einmal fand ich mich auf der Strasse. Ich hatte keine Verwandten mehr zu denen ich gehen oder mich wenden konnte. Eine Frau die mit mir das selbe Schiksal teilte war meine Rettung. Ich konnte mich bei ihr zu Hause einnisten. Eine Nacht bekam mein Sohn hohen Fieber ich wusste er brauchte ein Arztbesuch aber aufgrund der Datenbearbeitung bei einer Anmeldung im Krankenhaus konnte ich ihn nicht bringen.

Ich habe noch nie eine Tat begangen die gegen das Gesetz war. Ich habe einen sauberen Leumund. Aber irgendwie habe ich mich anscheinend doch schuldig gemacht. Ich habe mich strafbar gemacht weil ich für hilfsbedürftigte Studenten Stipendien bezahlt habe. Ich habe mich strafbar gemacht weil ich meine Kinder zur einer Gülen Schule geschickt habe. Ich habe mich strafbar gemacht weil ich für Bedürftigen Menschen Nahrungsmittel gespendet habe. Die Tatsache, dass ich ein Konto bei der Bankasya hatte, reichte aus, um mich zu einen Terroristen zu erklären.

Wie jeder Gülenist veruschte ich ein vorbildliches Leben zu führen und mich aktiv für meine Mitmenschen einzusetzen.

Vor dem 15 Juli wurden wir unterstützt und geschätzt, jetzt war nichts mehr davon zu riechen. Alle empfanden Hass für uns. Wir konnten in der Türkei nicht mehr sicher leben und mussten alle unsere Geliebten hinter uns lassen. Ich wünschte ich hätte mein Land nicht verlassen müssen. Damals als es uns noch gut ging musste ich mir keine Sorgen um meine Kinder machen ich konnte ihnen sehr vieles anbieten. Es ist nicht leicht in einem fremden Land von neu Anzufangen. Sich alles neu aufzubauen braucht Zeit und Kraft. Meine Gedulg war mein begleiter durch diese schwere Zeit.

Es war Juli 2018 als wir mit einem kleinem Boot, 11 Leute darunter ein 2 Monate altes Baby 45 Minuten lang unseren Atem anhielten bis wir in Griechenland angekamen. Das Boot hatte sich mit Wasser aufgefüllt wir waren pitsch nass und verdreckt. Wir waren von nun an Frei. Sobald wir Meric überquert hatten fragte mich mein Sohn. Mami wir sind aus der Hölle. Was hat ein 7 jähriges Kind erlebt das es solche Worte in den Mund nimmt. Wie werden sich unsere Wunden heilen? Seit 2 Jahren konnten wir aus Angst nicht schlafen weil wir uns vor der Polizei fürchteten. In Griechenland als uns die Polizei mitgenommen hat empfanden wir nur Freude. Bis heute hatten wir Angst vor der Polizei und jetzt freuten wir uns die Polizei zu sehen.

Unsere Reise endete in der Schweiz. Zum ersten Mal konnte ich mit meiner Familie gemeinsam in Sicherheit schlafen.